3. Aufnahme mit VirtualVCR

Wenn die Video-Karte mit WDM-Treibern (WDM = Windows Driver Model) arbeitet, bekommt man häufig Probleme mit VirtualDub. Es gibt diverse Capture-Programme, die für WDM-Treiber geschreiben wurden. Hier wird das Programm VirtualVCR vorgestellt, das über einige Spezialitäten verfügt und zudem Freeware ist.

Konfiguration

Nachdem VirtualVCR gestartet wurde, erhält man zunächst ein recht spartanisches Fenster:

Die Toolbar-Leiste von VirtualVCR hat folgende Funktionen:

  1. Öffnet den Einstellungen-Dialog
  2. Speichert die aktuellen Einstellungen als Standard-Einstellungen
  3. Öffnet ein anderes Einstellungs-Profil
  4. Speichert die aktuellen Einstellungen unter einem anderen Profil
  5. Startet die Aufnahme
  6. Aktiviert die Vorschau
  7. Zeigt das Statistik-Fenster an
  8. Zeigt die Liste der Dropped Frames

Durch einen Klick auf den Button mit dem Hammer-Symbol gelangen wir in die Einstellungen. Es empfiehlt sich, die Einstellungen in der beschriebenen Reihenfolge durchzuführen:

  1. Pfad und Dateiname der Capture-Datei
  2. Wenn hier ein Haken gesetzt ist, wird automatisch Datum und Uhrzeit der Aufnahme in den Dateinamen eingefügt. Sehr zu empfehlen, um das Überschreiben von Dateien zu verhindern.
  3. AVI-Datei mit Kompatibilitätsindex (für alte Applikationen) versehen
  4. Wenn hier ein Haken gesetzt ist, wird eine Protokolldatei im selben Verzeichnis angelegt. In dieser Datei findet man dann wichtige statistische Angaben (dropped frames, non-dropped frames...) des Ergebnisses

Mit den Stop-Optionen legen wir fest, unter welchen Bedingungen VirtualVCR die Aufnahme stoppen soll:

  1. Hier kann man festlegen, wie lange die Aufnahme dauern soll.
  2. Wenn diese Option markiert ist, beendet sich VirtualVCR nach der Aufnahme
  3. Wenn der Plattenplatz knapp wird, kann die Aufnahme automatisch beendet werden
  4. Freier Plattenplatz in MB. Wenn dieser Wert unterschritten wird, beendet VirtualVCR die Aufnahme.

Um nicht für jede aufzunehmende Sendung diese Einstellungen verändern zu müssen, kann man VirtualVCR auch mit entsprechenden Parametern starten. Dazu aber später mehr.

Der nächste wichtige Reiter ist Devices:

Hier wählen wir zunächst unsere Video- und Audio-Geräte aus und klicken anschließend jeweils auf den danebenstehenden Select-Button. Durch einen Bug in VirtualVCR werden diese Einstellungen aber nicht sofort übernommen, deshalb schließen wir hier den Settings-Dialog über Ok und öffnen ihn sofort wieder.

Unter Video Source wählen wir den gewünschten Eingang (Video-Tuner, Composite, S-Video, ...)

Unter Device Settings wählen wir jetzt Video Capture Pin aus und klicken auf Prop. Es öffnet sich der Einstellungs-Dialog für Eure Video-Karte, der in etwa so aussieht:

  1. Die Bildrate pro Sekunde. Für PAL wählen wir hier natürlich 25 Bilder/sek.
  2. Der Farbraum. Welches Format Ihr verwenden könnt, hängt von Eurer Hardware ab. Falls YUY2 nicht funktioniert, versucht eine andere Einstellung.
  3. Die Auflösung, in der aufgenommen wird. Für Full PAL wählen wir hier 7** x 576. Bei meiner Cinergy 400 TV nehme ich 704x576.

Falls Eure Video-Karte hardwaremässig Vorschau unterstützt, könnt Ihr als nächstes unter Device Settings den Video Preview Pin auswählen und hier ebenfalls die gewünschten Einstellungen vornehmen. Meine Karte besitzt zwar eine Hardware-Vorschau, allerdings funktioniert das nicht so wie erwartet, in dem Fall kann man immer noch auf den Smart Tee Filter ausweichen. Dazu später mehr.

Jetzt kommen die Audio-Einstellungen an die Reihe. Diese finden wir unter dem Reiter Audio:

  1. Wenn die Aufnahme auch den Ton enthalten soll, setzen wir hier ein Häkchen
  2. Im Bereich Format legen wir fest, in welcher Auflösung, mit welcher Samplingrate und Mono oder Stereo aufgenommen werden soll
  3. Unter Input settings wählen wir die Signalquelle für Audio (z.B. Line-In)
  4. Unter TV-Audio kann man noch weitere Einstellungen vornehmen. Manche Sendungen werden z.B. in zwei Sprachen oder mit gesprochenen Hinweisen für Sehbehinderte ausgestrahlt.
  5. Wenn der Audiostream bereits während der Aufnahme komprimiert werden soll (nicht zu empfehlen), kann man dies hier aktivieren.
  6. Bei eingeschalteter Audio-Komprimierung: Der zu verwendende Codec
  7. Hierüber gelangt man in den Einstellungsdialog für den Audio Codec

In vielen Fällen werden der Video-Stream und Audio-Stream über getrennte Hardware gecaptured (TV-Karte für Video, Soundkarte für Audio). Diese Karten verfügen jeweils über einen eigenen Systemtakt, deshalb kann es im Laufe der Aufnahme zu Verschiebungen kommen, Video und Audio sind dann nicht mehr synchron.
VirtualVCR hat ein Feature, das kaum eine andere Capture-Applikation hat: Den Audio-Stream dynamisch zu resamplen. Dabei wird laufend die zeitliche Differenz zwischen dem Video- und dem Audio-Stream ermittelt und die Audio-Samplingrate entsprechend verändert, um die Synchronität zu erhalten.
Über den Reiter AV Sync können wir einstellen, wie VirtualVCR mit der Audio/Video-Synchronisation umgeht:

  1. Hier wird festgelegt, ob die Sampling-Rate des Audio-Streams durch VirtualVCR angepasst werden soll
  2. Mit dieser Option wird das oben beschriebene dynamische Resampling aktiviert
  3. Falls die Differenz zwischen Video- und Audio-Systemtakt immer konstant ist, muss diese Option gewählt werden
  4. Die relative Abweichung von Video- und Audio-Systemtakt
  5. Wenn Video- und Audio-Stream immer konstant gegeneinander zeitversetzt sind, kann man diesen Versatz hier ausgleichen
  6. Ausgleich um den Wert, der vom DirectShow-Interface ermittelt wird
  7. Manueller Ausgleich
  8. Anzahl der Millisekunden, die Video- und Audio-Stream gegeneinander versetzt sind
  9. Wenn einer der Streams als Haupt-Stream (Master) arbeiten soll, kann man dies hier festlegen, welcher Stream dies sein soll. Diese Option steht nur zur Verfügung, wenn Resample Audio (1.) nicht aktiviert ist.
  10. Wenn hier ein Häkchen gesetzt ist, werden die von VirtualVCR ermittelten Abweichungen in der Datei AVdiff.txt (im VirtualVCR-Programmverzeichnis) protokolliert. Diese Datei kann sehr groß werden, deshalb sollte diese Option nur bei Testaufnahmen aktiviert werden.

Als nächstes werden wir die Tuner-Einstellungen vornehmen. Diejenigen, die über über eine andere Video-Quelle capturen wollen, müssen hier nichts einstellen.

Das Tuner-Fenster ist zunächst noch leer, wir werden gleich das TV-Tuner-Device auffordern, nach Kanälen zu suchen. Zuvor müssen wir aber noch den Ländercode und die Signalquelle festlegen. Dazu klicken wir auf den Button TV Tuner Device. Es öffnet sich der Tuner-Dialog Eurer TV-Karte:

  1. Hier stellen wir zunächst den Ländercode ein. Für Deutschland 49
  2. Der Signaleingang der TV-Karte
  3. Tunermodus TV
  4. PAL

Wenn alle Einstellungen korrekt sind, schließen wir den Tuner-Dialog über Ok und landen wieder im Tuner-Dialog von VirtualVCR. Hier klicken wir jetzt auf den Button Scan. Nach dem Hinweis, dass der Scan-Vorgang alle bereits eingetragenen Kanäle überschreibt, erscheint folgendes Fenster:

Mit Aggressive Channel Scan werden u.U. mehr Sender gefunden, also auch solche, die nicht so stark empfangen werden. Ob diese Kanäle später verwendet werden, kann man immer noch entscheiden, deshalb sollte das Häkchen auf jeden Fall gesetzt werden. Ein Klick auf den Button START startet die Kanalsuche. Wenn diese durchgelaufen ist, sind alle gefundenen Kanäle in der Liste eingetragen:

Es empfiehlt sich, den Kanälen auch entsprechende Klartextbezeichnungen zuzuordnen. Dazu müssen wir den Kanal in der Liste auswählen und dann unter Name den entsprechenden Namen eintragen. Anschließend muss auf Update geklickt werden, sonst wird die Änderung nicht gespeichert!

Diese Arbeit ist recht mühselig, muss aber nur einmal durchgeführt werden. Nachdem alles erledigt ist, schließen wir den Settings-Dialog über Ok und speichern unsere Einstellungen als Standardeinstellung ab. Dies geschieht im Hauptfenster von VirtualVCR über den Button mit dem Diskettensymbol.

VirtualVCR kann bereits während der Aufnahme mit Filtern arbeiten, was normalerweise aber nicht zu empfehlen ist. Besser ist es, ungefiltert aufzunehmen, und das entstandene AVI-File später nachzubearbeiten (z.B. mit VirtualDub). Der Vollständigkeit halber wird der Reiter Filters hier auch noch kurz vorgestellt:

  1. Hier wird das Filtern während der Aufnahme aktiviert
  2. In der Liste der verfügbaren Filter sind zunächst nur die Filter aufgeführt, die zusammen mit VirtualVCR installiert werden.
  3. Um alle verfügbaren DirectShow-Filter anzuzeigen, muss hier ein Häkchen gesetzt werden. Die Filter werden dann ebenfalls in der Liste (2.) aufgeführt.
  4. Über den ADD-Button wird ein in der Liste (2.) ausgewählter Filter aktiviert
  5. In dieser Liste sind alle aktivierten Filter aufgeführt. Die Filter kommen der hier angezeigten Reihenfolge zur Anwendung.
  6. Über diese Schalter lassen sich die Filter konfigurieren und die Reihenfolge ändern

Wenn das alles erledigt ist, schließen wir den Einstellungsdialog und speichern die Einstellungen als Standard ab, indem wir auf den Button mit dem Disketten-Symbol klicken (Nr. 2).

Jetzt können wir zum ersten Mal versuchen, den Preview-Modus einzuschalten. Dazu klicken wir im Hauptfenster auf den Button mit dem Bildschirm-Symbol (Nr. 6). Solltet Ihr jetzt kein brauchbares Bild sehen, kommt VirtualVCR mit dem Preview-Pin Eurer Karte nicht klar. In dem Fall hilft der Smart Tee Filter.

Wichtig! Immer wenn irgendwelche Einstellungen in VirtualVCR verändert werden sollen, muss zuvor der Preview-Modus ausgeschaltet werden.

Um den Preview-Modus zu aktivieren, öffnen wir den Settings-Dialog und wählen den Reiter View.

  1. Use Smart Tee Filter for Preview
    Der Smart Tee Filter teilt das Capture-Signal auf in den eigentlichen Capture-Datenstrom und einen Preview-Datenstrom. Sollte immer dann aktiviert werden, wenn der Preview-Pin der Capture-Karte nicht korrekt arbeitet bzw. unterstützt wird.
  2. Dock Capture Stats Window
    Wenn hier ein Häkchen gesetzt wird, "klebt" das Statistik-Fenster am Hauptfenster von VirtualVCR
  3. Show Capture Stats on Stop
    Zeigt das Statistik-Fenster nach dem Ende der Aufnahme an. Hat keine Auswirkung, wenn das Statistik-Fenster ohnehin schon während der Aufnahme angezeigt wird.
  4. Show Colour Histogram
    Zeigt ein Farbverlaufs-Histogramm während der Aufnahme an
  5. Show Audio Scope
    Blendet Audio-Oszilloskop ein. Hier kann man noch diverse Audio-Korrekturen vornehmen.
  6. Always on Top
    Damit bleibt das VirtualVCR-Fenster immer im Vordergrund. Diese Funktion kann man auch jederzeit über die Taste 'T' erreichen.
  7. Hide Tool/Status Bar
    Blendet die Toolbar und die Statusleiste aus. Dies ist dann sinnvoll, wenn auf dem Bildschirm nicht genügend Platz vorhanden ist. Dieses Funktion kann man auch jederzeit über die Taste 'H' erreichen.

Nachdem auch dies mit Ok bestätigt und erneut der Preview-Button aktiviert wurde, sehen wir jetzt hoffentlich ein Bild mit der gewünschten Auflösung:

Wenn das soweit geklappt hat, sicher wir die aktuellen Einstellungen als Standard-Einstellungen, indem wir auf den Button mit dem Disketten-Symbol klicken.

Die Aufnahme

Wenn die Konfiguration erfolgreich war und Bild und Ton ok sind, steht der Aufnahme nichts mehr im Wege. Es gibt verschiedene Methoden, den Aufnahmevorgang mit VirtualVCR zu steuern.

Manuelle Aufnahme
Mit einem einfachen Klick auf den Aufnahme-Button (Nr. 5) beginnt VirtualVCR mit der Aufnahme. Dabei kann man im Statistik-Fenster (Aktivierung über Button Nr. 7) immer den aktuellen Status beobachten:

Während die Aufnahme läuft, wird die Toolbar auf drei Buttons reduziert. Mit dem ganz linken Button kann die Aufnahme wieder gestoppt werden:

Manuelle Aufnahme mit zeitlicher Begrenzung
Um bei einer mehrstündigen Aufnahme nicht ständig am PC hocken zu müssen, um die Aufnahme am Ende wieder zu stoppen, kann man im Einstellungsdialog unter dem Reiter Stop angeben, wie lange die Aufnahme laufen soll. VirtualVCR stoppt dann nach Ablauf dieser Zeit automatisch.

Timergesteuerte Aufnahmen
Richtig komfortabel wird's erst mit Hilfe von Zusatzprogrammen. Die Verbindung von VirtualVCR mit dem VirtualVCR Scheduler macht Euren PC zum digitalen Videorecorder, der sich zum programmierten Zeitpunkt selbständig einschaltet, die Aufnahme durchführt und sich anschließend wieder abschaltet. VirtualVCR Scheduler ist ebenfalls Freeware. Wo man das Programm downloaden kann, steht in der Linkliste im Anhang.

Tastaturkommandos von VirtualVCR

VirtualVCR lässt sich im laufenden Betrieb über einige Tastaturkommandos steuern:

Taste Funktion
F5 Aufnahme beginnen
Esc Aufnahme beenden
P Vorschau ein-/ausschalten
S Statistik-Fenster ein-/ausschalten
F Fullscreen-Modus ein-/ausschalten
H Toolbar und Statuszeile ein-/ausblenden
T Immer im Vordergrund ein-/ausschalten
C Einstellungsdialog aufrufen
Bild auf Nächsthöheren Kanal einstellen
Bild ab Nächstniedrigeren Kanal einstellen

Kommandozeilenparameter von VirtualVCR

Wenn VirtualVCR über die Kommandozeile aufgerufen wird, können die Funktionen mit folgenden Parametern gesteuert werden

Parameter Funktion
-capture Nach dem Start wird sofort mit der Aufnahme begonnen
-channel "X" Kanalnummer
-profile "configfile" Eine andere Konfiguration als die Voreingestellte verwenden. "configfile" muss mit vollständigem Pfad angegeben werden.
-runfor "seconds" Dauer der Aufnahme in Sekunden
-output "capturefile" Name der Aufnahmedatei

Anhang

Linkliste
VirtualVCR
VirtualVCR Scheduler


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Last edited on: 05/07/2003 | First release: 05/07/2002 | Author: zisoft | Content by Doom9.de