5. Komprimierung von Ton und Bild

So, spätestens jetzt sollten ja die SVCD und DVD Fans weg sein. Dann können wir einmal kurz durchatmen - und weiter gehts.

Ich werde hier das 2pass-Verfahren des DivX 5.02 Codecs beschreiben, da ich damit eine sehr gute Qualität bei genau errechenbarer Dateigröße (z.B. 700 MB für eine CD) erhalte. Wer DivX 5.03 nutzt, der wird einige Möglichkeiten in seinem Codec Menü vermissen. Die entsprechenden Passagen im Guide dann einfach ignorieren. Weil ich ein fauler Mensch bin, jage ich den Ton einfach direkt über VirtualDub in das MP3 Format und erhalte lediglich eine Tonspur mit cbr (konstante Bitrate) Audio, wer will kann aber auch gerne BeSweet oder ähnliches bemühen. (Ich geb zu, mittlerweile nehm ich auch nur noch ogg;-)

Die Prozedur mit BeSweet ist im Abschnitt High quality Sound (vbr mp3/ogg) beschrieben.

Solltet Ihr Euch aus irgendwelchen (mir nicht nachvollziehbaren) Gründen für eine VCD entschieden haben, so schaut bitte in meinen Ausflug zum Thema Frameserving , oder versucht, aus der Guide Sammlung von Michael Gleitz (externer Link) die entsprechenden Informationen zu übertragen.

Ich erstelle aus meinen Captures (fast) ausschließlich 1CD Filme. Um die Bildqualität dabei möglichst gut erscheinen zu lassen, "spare" ich am Ton. Das heißt, ich wähle für mp3 eine Bitrate von 96. Falls Ihr beispielsweise kurze Musik-Clips aufnehmen wollt und es Euch dabei auf maximale Qualität ankommt, solltet Ihr zum einen den Divx Codec auf "one pass qualitybased 100 %" stellen, andererseits aber auch die Ton Bitrate erhöhen. Das gleiche gilt, wenn Ihr Eure Filme auf mehrere CDs verteilen wollt. Dann kann man beispielsweise auf 128 oder noch weitaus höher gehen. Im Umkehrschluß bedeutet dies aber auch, daß man, wenn man z.B. kurze Schnipsel durchs Netz schicken will, auch unter 96 gehen kann. Es liegt also mal wieder bei Euch.

Ihr könnt Euren Film auch gerne größer berechnen und dann als XCD brennen, bitte achtet darauf, an der entscheidenden Stelle richtig abzubiegen. Dabei gelten folgende (theoretische) Maximalgrenzen von Rohlingkapazitäten. Den Film brennen wir nachher als Mode 2. Bitte darauf achten, daß nicht jeder Brenner, jedes CD oder DVD Laufwerk jede Rohlinggröße unterstützen ! (Die Daten stammen aus der Readme vom Mode2 CD Maker.)


74 min
80 min
90 min
99 min
Mode 1
650 MB
703 MB
791 MB
870 MB
Mode 2
738 MB
798 MB
897 MB
987 MB


Errechnung der Bitrate für die Filmkomprimierung

Folgendes zur Theorie der Berechnung:
· zuerst der Ton:
Wir benutzen Audio mit 12 KB/sec (mp3 @96). Das wird mit der endgültigen Filmlänge multipliziert (in sec!). Das Ergebnis ist durch 1024 zu teilen und ergibt die Tonspur in MB. Das wiederum von 700 MB abziehen. (z.B. 90min. x 60 = 5400sec. x 12 = 64800 Kilobyte / 1024 = ca. 64 MB. So bleiben für den Film 700 – 64 = 636 MB, immer besser abrunden !)
· Output Video Bitstream berechnen:
Die ermittelten 636 MB x 1024 ergibt Kilobyte x 8 ergibt Kilobit. Soviel ist also für den Film Platz. (636 x 1024 x 8 = 5210112 Kilobit) Nun umrechnen in Kilobit pro Sekunde (521011 / 90min. / 60sec. = 964).

Das Ergebnis ist der Output Video Bitstream von 964 und entsprechend zu merken, bis er eingetragen wird..

Ihr könnt zur einfacheren Berechnung auch einen Bitrate Calculator, wie bei GordianKnot dabei, benutzen!

Einstellung von VirtualDub

Zum besseren Verständnis fasse ich mal kurz zusammen, wie das jetzt ablaufen wird:
Als erstes wird der first pass der DivX-Komprimierung durchgeführt, dabei wird nur eine kleine Datei geschrieben, wo sich der Codec merkt, wie er den Film zu komprimieren hat. Es wird zwar eine Datei mit dem Namen "first_pass.avi" (wobei first_pass ein Platzhalter ist), diese enthält aber keine Filminformationen in dem Sinne, daß man sich schon mal irgendwas anschauen könnte. daher schleppe ich den Ton in dieser Phase auch nicht mit.
Als zweites wird der second pass der DivX-Komprimierung durchgeführt, dabei wird die eigentliche Filmdatei geschrieben. Gleichzeitig werde ich den Ton von WAV zu MP3 komprimieren.
Um nicht unnötig lange am PC zu sitzen werde ich auf eine Joblist setzen, damit beide Durchgänge automatisch nacheinander durchgeführt werden.

Einstellung für den ersten Durchlauf

Audio -> No Audio
Video -> Full Processing Mode
Video -> Compression -> DivX 5.02 Pro -> Configure

Das aufspringende Konfigurations-Fenster hat oben vier Reiter, die wir nacheinander abarbeiten werden. Die Einstellungen, die ich nicht anspreche, belasse ich mit den Standardwerten.

Selbstverständlich gilt auch hier, daß Ihr mit abweichenden Einstellungen auch glücklich werden könnt. Besonders "Psychovisual Enhancements" und "Pre Processing Source" sind Parameter, die an den jeweiligen Film und die Qualität der Quelle angepaßt werden können (sollten).

Im Bereich "DivX Codec":
2-pass, first pass
Encoding Bitrate eintragen, die wir oben berechnet haben
Häkchen vor "Use GMC" setzen
Häkchen vor "Use Bidirectional Encoding" setzen
Logfile und MV-file bitte auf Festplatte "C" direkt abspeichern und nicht im gleichen Ordner wie den gecaptureten Film. Erfahrungsgemäß wird der Ordner nämlich irgendwann gelöscht, damit auch diese Dateien und der Codec versagt bei der nächsten Arbeit seinen Dienst.

Im Bereich "General Parameters":

"Psychovisual Enhancements" aktivieren und auf Normal stellen
"Pre Processing Source" aktivieren, bei guter Quelle der Aufnahme auf Light stellen, je schlechter die Quelle ist, desto mehr sollte man den Regler nach rechts stellen, es wird dadurch Rauschen entfernt, das Bild aber auch weicher gezeichnet, je stärker diese Einstellung gewählt wird. Deswegen lasse ich es im Normalfall bei light.
Keyframes: Wir befassen uns mit einem PAL-Film, der 25 Frames pro Sekunde hat. Wir wollen daß die Keyframes maximal 10 Sekunden auseinanderliegen, um das "Vor- und Zurückspulen" angenehmer zu machen. Also alle 250 Frames, daher stellen wir das "Max Keyframe interval" auf 250. "Scene change treshold" legt fest, wie sensibel der Codec auf Szenenwechsel reagiert und damit wie schnell ein Keyframe gesetzt wird. Ich will weder zu viele noch zu wenige Keyframes haben, also lasse ich die 50% stehen.

Im Bereich "Advanced Parameters"

Die Quantizer geben an, wie stark der Film komprimiert werden darf. One pass quality based, das Verfahren, das die höchstmögliche Qualität erreicht, hat den Quantizer fest auf 2 stehen. Je geringer die Quantizer, desto weniger wird also komprimiert und umso besser wird im Normalfall die Qualität, aber die Datei wird größer. Das wäre irgendwann mit unserer einzuhaltenden Bitrate unvereinbar, weil wir ja nicht unbegrenzt Platz haben, sondern eine bestimmte Dateigröße treffen wollen. Manche Gelehrte sagen, man solle die Standard-Einstellungen belassen, weil diese Einstellungen am meisten getestet wurden. Mag sein. Lange Rede, kurzer Sinn: Ausprobieren, ich stelle "Maximum quantizer" auf 10 und "Minimum quantizer" auf 2.

RC averaging period, frames sollte auf die Hälfte der Frames der zu codierenden Datei gestellt werden, besteht Euer Film also z.B. aus 10280 Frames, so soltte der Wert auf 10280:2 = 5140 gestellt werden. Dies soll gewährleisten, daß der Codec vorausschauend die richtige Bitrate für den Film findet. Eine ausführliche Erläuterung dazu gibt es im Doom9.org forum

"Manage Settings" betrachten wir nicht, wir kehren mit zweimal "OK" zu VirtualDub zurück.

Options -> Display input Video deaktivieren
Options -> Display output Video deaktivieren
Options -> Sync to audio aktivieren
Options -> Enable DirectDraw Acceleration aktivieren

Nun speichern wir den ersten Durchlauf ab:

File -> save as Avi

Dateinamen wählen, z.B. "first_pass.avi", um mit JobList arbeiten zu können, Häkchen vor "Add operation to job list..." machen. Ohne dieses Häkchen beginnt nun die Komprimierung des ersten Durchlaufs.

Einstellung für den zweiten Durchlauf

Audio -> Avi Audio
Audio -> Full Processing Mode
Video -> Full Processing Mode
Video -> Compression -> DivX 5.02 Pro -> Configure
Hier alles belassen, wie es ist, nur von "2-pass, first pass" auf "2-pass, second pass" umstellen, denn das ist es ja, was wir wollen.
Audio -> Compression -> MPEG Layer-3 -> 96kBit/s

Der Rest wird belassen, wie es ist. Nun genau wie beim ersten Durchgang:

File -> save as Avi

Dateinamen wählen, z.B. "fertig.avi", um mit JobList arbeiten zu können, Häkchen vor "Add operation to job list..." machen. Ohne dieses Häkchen beginnt nun die Komprimierung des zweiten Durchlaufs.

Beginn der Codierung

Bei Verwendung der Job List müsst Ihr zum Anschmeißen der Codierung wie folgt vorgehen:
File -> Job Control
In dem sich öffnenden Fenster sind die Jobs eingetragen, die VirtualDub zu erledigen hat(te).
Bei "Status" müßtet Ihr nun zwei wartende Aufträge stehen haben.
Ein Klick auf Start beginnt die Umwandlung von automatisch dem ersten und danach dem zweiten Durchgang.

Wenn Ihr eine Fehlermeldung wegen Sylia.dll bekommt, nehmt einfach mal eine andere VirtualDub Version (z.B. 1.4.10) oder kopiert einfach die entsprechenden Dateien aus dem Verzeichnis in Eure aktuelle Virtual_Dub Version. Dann sollte es gehen, wenn nicht, dann eben ohne Joblist.

Das sollte es gewesen sein und Ihr habt eine Avi Datei, die Ihr gemütlich auf CD brutzeln und in den Schrank stellen könnt. (Anschauen natürlich auch)
 


(Optional weiter zu  <XCD> )

(Optional weiter zu  <Qualitätsverbesserung bei der Wiedergabe> )

(Optional weiter zu  <Tonprobleme> )

(Optional zurück zu <High quality Sound (vbr mp3/ogg)>)

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Last edited on: 03/06/2003 | First release: 10/22/2002 | Author: BaronVlad | Content by Doom9.de | Partner Gleitz.de